Permalink

off

Rezension Railways of the World: The Card Game

Endlich mal wieder ein neues Eisenbahnspiel!

Herausgeber ist Eagle Games und die Autoren des Spiels sind James Eastham und Steve Ellis wie auf obigen Cover ja auch eindeutig zu lesen ;-).

Railways of the World: The card game - Beginn des Spiels

Railways of the World: The card game - Beginn des Spiel

Was gibt es alles für’s Geld? Das Spiel enthält 112 kleine Spielkarten, gute Standardproduktion, nix zu meckern ;-). Zusätzlich 48 Plastik Züge in vier verschiedenen Farben für die maximal 4 Spieler des Spiels. Außerdem enthalten 60 kleine Holzklötze die die zu transportierenden Waren des Spiels darstellen sowie ein Stoffsack aus dem selbige verdeckt gezogen werden. Für den Spielbeginn gibt es kein großes Papplättchen an den im weiteren Spielverlauf initial jeweils Schienen und Städte angeschlossen werden. Die übliche Zählleiste ist auch dabei, bei der es aufgrund der eher dunkel auf sehr dunkel aufgedruckten Eisenbahnschienen zwischen den in Fünferschritten aufgebrachten Punktzahlen manchmal zu nicht sofort einsehbarem Punktestand kommen kann, was aber ggfs. als Nachteil vernachlässigbar sein sollte. Abschließend sei noch das Regelbuch erwähnt, das mit 8 Seiten ausreichend kurz und knapp gehalten wurde, mir aber anfangs nach dem Öffnen der Box sofort in’s Auge gesprungen war, da das gewähle Papier eher kartonartig anstatt normalem Regelbuch entsprechend gewählt wurde. Kein Nachteil, auch kein Vorteil, für mich nur ein wenig ungewöhnlich so ein „starkes“ Regelbuch in der Hand zu halten.

Jede Runde geht ordentlich schnell, wie es sich für ein Spiel aus der Beer & Pretzels Kategorie auch gehören sollte. Ich habe jede Runde neben verschiedenen Kartenmanimulationsmechanismen die Wahl zwischen dem Ausspielen einer neuer Stadtkarte und dem Anschluss dieser Karte an das bisherige Streckennetz, oder dem Ausspielen einer Lokomotive und dem Transportieren von Gütern.

Ich schaue jede Runde auf meine Kartenhand und vergleiche die dort befindlichen Farben der Karten (Loks haben Doppelfunktion als Joker und als Mechanismus nach dem Ausspielen zum Bestimmen der Anzahl der Städte die ich Güter transportieren darf) mit der Farbe der ebenfalls auf der Hand befindlichen Städte. Sollte die Farbe übereinstimmen und ich ausreichend viel Karten in der Punktzahl der Stadt auf der Hand habe kann ich eine neue Stadt ins Spiel bringen, sofern sich auf der Spielfläche eine Anschlussfläche dieser Farbe findet (hier bevorzugt eher an meinen eigenen Städten und Strecken, damit die Gegner später nicht so viele Punkte abbekommen, wenn ich ihre Strecken mitbenutze). Dann lege ich die Kombination aus und bekomme Punkte entsprechend der Höhe der Strecke (hier kann ich durchaus auch die geforderte Zahl überbieten und damit mehr Punkte erzielen, was auch später noch den positiven Nebeneffekt haben könnte, dass die angeschlossene Stadt auch in der Endwertung nochmals für mich zählt) auf der Wertungstafel markiert. Dann noch schnell Karten nachgezogen und schon ist der nächste Spieler an der Reihe.

Railways of the World: The card game - Die ersten Bahnhöfe wurden gebaut

Railways of the World: The card game - Die ersten Bahnhöfe wurden gebaut

Kann ich nicht auslegen, gilt es nur zu überlegen, ob ich eine Lok hinlege (sofern auf der Hand) die mir einmalig zusätzlich noch einen Transport eines Gutes ermöglicht (hatten wir im ersten Spiel überlesen…, dumdidum ;-)). Dann wieder Karten ziehen und nächster Spieler.

Habe ich weder Lok noch Kombination für neue Stadt kann ich auch einfach nur so Waren transportieren.

Das Waren transportieren ist auch einfach, da ich passend zu den farbigen Klötzen im Spiel (die kommen ins Spiel sobald ich eine Stadt lege und entsprechend der darauf aufgedruckten Zahl ziehe ich aus dem Beutel Klötze) eine Strecke über eigene und/oder fremde Schienen suchen muss und kassiere dann bei Abgabe am Endbahnhof (da sucht man sich einfach eine Stadt auf der die Farbe angeliefert werden darf, ist jeweils unterschiedlich, und man muss immer den ersten Bahnhof nehmen der einem begegnet, das verhindert manchmal hohe Wertungen, wenn man das beim initialen Erstellen des Netzwerkes nicht beachtet, bzw. anders gesagt, wenn einem die passenden Karten dies auch irgendwie ermöglichen sollten, darauf achten zu können ,-)) die Anzahl der insgesamt transportierten Streckenelemente und meine Mitspieler soviel Anteile, wie ich Strecken von ihnen mitgenutzt habe.

Das war’s auch schon, Runde für Runde.

Ungewöhnlich ist die Tatsache, dass neue Strecke immer nur an einen der bestehenden maximal sechs Hauptstränge angelegt werden dürfen und danach untereinander zwischen diesen Hauptsträngen keine Interaktion mehr möglich ist. Dies ist hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass es kein Spielbrett gibt was regelt welche Karten in welchem Abstand zu welchen anderen Karten auf der Spielfläche liegen, sondern die Lage der Strecken und der Städte an sich egal ist und lediglich die benachbarten Elemente interessant sind. Leider haben sie die Autoren dagegen entschieden Verbindungen zwischen den Hauptsträngen zuzulassen, was meines Erachtens die Interaktion zwischen den Spielern noch deutlich erhöht hätte.

So besteht die Hauptinteraktion darin, um das Ziehen der richtigen Karten zu konkurieren, dem Mitspieler wertvolle Transportgüter wegzuschnappen und vielleicht, bei uns eher selten, noch mal um die für die Endwertung interessanten Städtewerten durch Anschluss einer neuen Stadt zu konkurrieren.

In Summe habe ich jedoch beim Spiel zu viel alleine und nicht so sehr mit oder gegeneinander gespielt, vielleicht auch gerade deshalb weil die Mechanismen auch so wunderbar alleine funktionieren.

Als alter Eisenbahnspiele Fan wäre es mir irgendwie noch lieber, wenn sich doch noch ein wenig mehr Tiefgang im Spiel befinden würde, was aber vordergründig nicht der Fall ist. Vielleicht gibt es da noch was zu entdecken, wenn viele, viele Spiele ins Land gegangen sind, da eventuell das Legen der Strecken mit den zugehörigen Städten so optimiert werden kann, dass immer maximale Routen mit allen Farben der Güter für den eigenen Spieler transportiert werden können. Eventuell gibt es auch noch alternative Strategien durch ganz viele kleine kurze Strecken und eine richtig große Summe an Handelsgütern zu gewinnen, was aber auch alles u.a. von den gezogenen Karten abhängig ist. In meinen Partien lagen oftmals drei Loks offen und keiner wollte davon eine nehmen, sondern hat lieber sein Glück im zufälligen verdeckten Ziehen gesucht. Wir hatten hier schon mehrmals überlegt eine Regel a la Zug um Zug einzuführen, dass sobald drei Loks zu sehen sind, diese durch neue Karten ersetzt werden. Probiere ich demnächst mal aus.

Die jede Runde zu treffenden Entscheidungen sind übersichtlich und das Spiel dauert nicht viel länger als 30 Minuten, so dass der Komplexitätsgrad aus meiner Sicht als eher niedrig anzusehen ist. Als „Filler“ für zwischendurch aber durchaus geeignet.

Railways of the World: The card game - Die Endabrechnung steht kurz bevor

Railways of the World: The card game - Die Endabrechnung steht kurz bevor

Ich hatte vorher schon ein wenig auf BoardGameGeek darüber gelesen und wusste, daher dass auf mich wohl eine Mischung aus Rommé, Zug um Zug und übrigen Gütertransportspielen zukommen würde. Teile dessen was ich gelesen hatte, erinnerte mich sogar an mein eigenes Railroad Dice 2. Das heißt meine Erwartungshaltung war schon ein wenig vorgeprägt, erwartete aber auch kein strategisches Schwergewicht, sondern ein gut zusammenkombiniertes neues „leichtes“ Kartenspiel mit einem Best-of der bisherigen Mechanismen im Genre.

Gut gelöst ist der Mechanismus des beliebig überall Strecken ranlegens, gleichzeitig auch noch den Besitzer der Strecke durch die Lok anzuzeigen, Nachfrage für verschiedene Güter zu etablieren und noch ein wenig, zumindest als theoretische Pseudooption, dies auch im Spiel versuchen zu können als Strategie mit einzubeziehen. Neu ist das alles nicht, aber ordentlich kombiniert und gut gestreamlined (bah, wat für ein hässlicher englischer Neologismus…).

Optisch sieht es echt gut anzuschauen aus. Damit will ich sagen, dass das Auge gerne noch mal den kompletten Spielaufbau sehen würde ;-). Wenn ich bereit bin zu akzeptieren, dass das Spiel ein leichtes Spiel für Zwischendurch ist, erscheint mir der Wiederspielreiz durchaus gegeben, da die Kürze der mit 30-60 Minuten angegebenen Spielzeit eindeutig zum nochmaligen Rausholen des Spiels beiträgt. Bei komplexerer Vorprägung der Spielebegeisterten und Kenntnis solcher Spiele wie Age of Steam oder der 18xx-Serie könnte das Spiel doch ein wenig zuuu einfach sein, um die Bereitschaft es öfters spielen zu wollen, wecken zu können.

Am Material gibt’s wie geschrieben nix auszuzusetzen, Spielablauf ist kurz und knackig, wie die Spielzeit in Summe auch, optisch sieht’s auch gut aus, Spielfeld wächst Runde um Runde an, was optisch attraktiv wirkt und das Spiel ist offen für nahezu alle Spielertypen.

Daher: Vielspieler werden wohl wohl eher wenig dauerhafte Freude am Spiel haben während Zug um Zug Freunde, ich-spiel-alles-wo-eine-Lok-drauf-ist (ja, da gehöre ich leider auch dazu ;-))-Typen sowie „Lückenfüller“-Suchenende werden öfters zugreifen.

Weitere Infos oder Diskussionen zum Spiel findet Ihr bei 8-9-10-spielen! in der Gruppe zu Railways of the World: The Card Game

Kommentare sind geschlossen.